Eines Nachmittags, ich war gerade mit Selkai auf dem Markt in um frische Kräuter zu kaufen, sprach mich ein Mädchen an und drückte mir einen Geldbeutel in die Hand. Ich betrachtete ihn näher und merkte zu meinem Erstaunen , dass es sich um den meinigen handelte. Ich fragte mich verwundert, wo dieses Mädchen (nun ja, eigentlich war es ja schon eine junge Frau) meinen Beutel gefunden hatte. Oder hatte sie ihn vielleicht gestohlen? Nach einem kurzen Blick auf ihre Kleidung war dies eher meine Vermutung. Ihre Kleidung entsprach der einer Diebin und so umwölkte sich meine Stirn und ich begann ärgerlich zu werden.
"Ach so, erst bestiehlt sie mich und dann bereut sie es!"
Als ich diesen Gedanken beendet hatte, fing die Diebin an zu sprechen.
"Ähm, entschuldigt diesen plötzlichen Überfall, aber ich hatte beobachtet, wie ein Dieb aus meiner Gilde euren Geldbeutel ungesetzlicher Weise an sich nahm. Es ist unschwer zu erkennen, dass ihr neu in der Stadt seid und so dachte ich, dass nicht gut wäre, wenn ihr euch ohne Gold und Silber in einer fremden Stadt zurechtfinden müsstet."
"Aha!", dachte ich "Es ist also offensichtlich, dass ich fremd in der Stadt bin. Was kommt als nächstes?"
Als ob ich es durch diese Frage heraufbeschwören wollte, stieg plötzlich ein fetter, hässlicher Kloß der Diebin auf den Fuß. Sie schrie kurz auf und schubste ihn mit einem lauten "Passt doch auf, wo ihr hintretet!" weg von sich. Ich musste kurz schmunzeln, obwohl ich mir durchaus vorstellen konnte, dass dieses Erlebnis überaus schmerzhaft war, doch verging mir das Lachen sehr schnell, als ich einen Xan-Priester mit einem jüngeren Bruder durch die Menge schreiten sah. Das Glück war mir nicht hold, denn sie kamen direkt auf uns zu.
"Nicht wie eine Hexe verhalten! Nicht wie eine Hexe verhalten!", ging mir ständig durch den Kopf. Doch wie verhält sich eine Hexe in Anwesenheit eines Xan-Priesters, eines Priesters, der das Gesetz widerspiegelt und somit nicht zu den besten Freunden meiner Profession zählt. Aber zu meinem Glück (es war mir also doch noch hold) sprachen sie nicht mich an, sondern meine Begleitung, die meinen ängstlichen Blick in Richtung der beiden Geweihten folgte und den Braten vermutlich roch.
"Habt ihr Probleme mit diesem Mann?", fragte der ältere der beiden.
"Nein, nein!", antworteten wir beide gleichzeitig und auch ziemlich hektisch. Also doch, sie war wirklich eine Diebin.
"Na dann ist ja alles in Ordnung."
Plötzlich drängelte sich ein Mann ziemlich unsanft an uns vorbei und hinter ihm wurden Rufe wie "Haltet ihn!" und "Schnappt den Dieb!" laut. Plötzlich zückte die Diebin ein Messer und warf es in die Richtung des geflohenen Diebes. Sie traf ihn in den Oberschenkel und es war wirklich ein Wunder, dass sie keinen anderen Menschen verletzt hatte. Sie besaß wirklich ein sicheres Händchen. Der Dieb stürzte und die Menge murmelte bewundernde Worte über die Wurfkünste der Diebin. Als der Geflohene weggetragen wurde, erblasste sie. Anscheinend kannte sie den Verletzten und wer Diebesgilden kennt, weiß, dass dies Ärger bedeutet. Als ich sah, wie blass sie wurde, sprach ich sie darauf an.
Sie antwortete: "Ich sollte die Stadt verlassen, und zwar so schnell wie möglich."
Als dies die beiden Geweihten hörten, sagte der Jüngling: "Dann kommt doch mit uns! Wir wollen zu dem -Gebirge im . Schließt euch uns an!" Nach einigen Momenten des Überlegens willigte sie ein. Nun wurde ich gefragt. Eigentlich hielt mich nichts in der Stadt, in der man bei hellem Tage bestohlen wurde (aber wird man das nicht in jeder Stadt?) und außerdem ist es für eine Hexe immer riskant, unter Menschen zu sein, da die Kirche bereits in einigen Städten mit den Inquisitionen begonnen hatte und es jederzeit möglich ist, eine normale Frau der Hexerei zu bezichtigen, nur weil sie einen Kräutergarten hat, oder eine Warze auf der Nase. Bei mir traf nichts davon zu, na gut, ich hatte eine Katze, die mir auf Schritt und Tritt folgte, aber ich hatte keine Warzen und auch keinen Kräutergarten da mich mein Meister (schon vor langer Zeit) auf die Suche nach einem Mentor geschickt hat. Und wenn sie dachten, dass eine normale Frau eine Hexe sei, was sollten sie dann erst bei mir denken? Ich hatte schwarze Haare und katzengrüne Augen. Wäre dies nicht schon genug, um mich zu überführen? Vermutlich schon. Also, dachte ich, es sei durchaus ratsam, die Stadt zu verlassen. Somit schloss ich mich unserer Truppe an. (Bis heute habe ich es nicht bereut.)
So verließen wir also die Stadt und machten uns auf unseren Weg. Da erst die Mittagsstunde geschlagen hatte, hatten wir noch gut acht Stunden Tageslicht, die wir auch nutzen wollten. Auf unserem Weg war ich sehr still, da ich nicht zu viel von mir preisgeben wollte. Nach einiger Zeit kam die von mir angstvoll erwartete Frage, was mein Metier sei und ich fragte mich, ob es nicht durchaus sinnvoller gewesen wäre, unter den Menschen in der Stadt zu bleiben, die nur rufen konnten "Verbrennt sie!" und nicht den Befehl dazu geben. Meine schlichte Antwort war: "Ich möchte mein Gewerbe nicht preisgeben." Darunter konnten nun viele Berufe fallen, zum Beispiel, der Beruf des Totengräbers. Ich dachte, es sei ein guter Weg, meine Profession im Dunkeln zu lassen, da ich annahm, man würde denken, ich sei nicht stolz darauf, und nicht, dass ich Angst hatte, verhaftete zu werden. Somit war das Thema vom Tisch, ich war vielleicht froh. Als es langsam dunkel wurde, kamen wir an einem Gasthaus vorbei. Wir einigten uns schnell, dass wir hier bleiben wollten, schließlich hatten wir einen langen Marsch hinter uns und waren dementsprechend müde. Als wir die Stube betraten, die um diese Uhrzeit schon sehr voll war, kam der Herr des Hauses auf uns zu und fragte und nach unseren Wünschen.
Darrison antwortete: "Werter Herr, wir suchen eine Übernachtungsmöglichkeit. Könnt Ihr uns vielleicht weiterhelfen?" "Aber natürlich!" Der Wirt schien sehr angetan von der glänzenden Rüstung Darrisons und antwortete schnell: "Aber natürlich mein Herr! Wir haben noch genau zwei Zimmer für euch. Jedes Zimmer kostet auch nur 5 Silberstücke. Nun, was sagt Ihr?"
Da der Preis sehr günstig war und wir sowieso keine andere Wahl hatten, wir hatten nicht an Decken gedacht, willigten wir ein und ließen uns unsere Zimmer zeigen. Es versteht sich von selbst, dass Laleena (auf der Reise hatten wir genug Zeit uns gegenseitig vorzustellen), die Diebin, und ich uns ein Zimmer teilten. Als wir auf der Etage, auf der die Zimmer der Gäste waren, ankamen, schloss der Wirt unsere Gemächer auf und drückte uns die Schlüssel in die Hand. Laleena und ich betraten unser Zimmer und legten unser Reisegepäck ab. Selkai zeigte sogleich große Begeisterung für einen der Strohsäcke und somit war klar, wo ich mich zur Ruhe legen würde. Als wir fertig waren, beschlossen wir, nochmals in die Stube zu gehen und uns zu den anderen Gästen zu gesellen. Anscheinende hatten Darisson und Kyros ebenfalls nichts Besseres zu tun und schlossen sich uns an. In der Stube war kein Tisch mehr frei und o hatten wir die Wahl zwischen einem Händlerpärchen, einem grimmig aussehenden Waldelfen, ein paar lauten Zwergen, die ihre Humpen stemmten und schon einige leere Krüge auf ihrem Tisch stehen hatten (nun ja, eigentlich war der ganze Tisch voll mit leeren Humpen), einem dunkel gekleideten, schlecht gelaunten Menschen und einem kranken Mann, der langsam ein heißes Getränk zu sich nahm. Da Laleena vor uns ging, war sehr schnell klar, für wen sie sich entscheiden würde. Also gesellten wir uns zu den beiden Händlern. Laleena setzte sich auffällig nah an den Händler, was dieser sehr zu begrüßen schien. Man darf nicht vergessen, dass Laleena eine faszinierend schöne Frau ist und kein Mann ihrer Schönheit widerstehen kann. Ich setzte mich zu der Händlersfrau und bemerkte ihre Blicke, die die Diebin, zu töten schienen (man konnte nur froh sein, dass sie keine magiebegabte Person war). Der Händler betrachtete Laleena mit großen Augen und fragte sie sogleich, was sie denn trinken wolle. Sie bestellte sich den edelsten Rotwein, den diese Kaschemme zu bieten hatte und sogleich funkelten die Augen der Händlersfrau noch ein wenig böser. Ich versuchte die Frau durch einen Beschwörungszauber von der Diebin abzulenken, doch es gelang mir nicht. (Meine Fähigkeiten waren wohl doch noch nicht so ausgereift, wie ich dachte.) Nach kurzer Zeit und ein paar Schluck Rotwein verabschiedete sich Laleena schnell und ich folgte ihr. Auf unserem Zimmer öffnete sie ihren Geldbeutel und warf ein paar Münzen hinein. Sie war also erfolgreich gewesen. Das erklärte so einiges. Da ich aber schon müde war, wollte ich sie darauf nicht mehr ansprechen und legte mich, nachdem ich meine Reisekleidung abgelegt hatte, auf den Sack, den Selkai zuvor ausgesucht hatte. Da wir eine lange Reise hinter uns hatten und meine Beine bereits schmerzten, schlief ich sehr schnell ein.
Mitten in der Nacht wurden wir von einem Schrei geweckt...
